Nora oder ein Puppenheim

 

„Hier werden Gefühle und Gesinnungen ausgesprochen, die durchaus ungesund, und die, wie ich fürchte, wie dazu gemacht sind, in das Fleisch und Blut ungesunder weiblicher Organismen überzugehen und das Arsenal der „Verkannten“ um Prachtstücke ersten Ranges zu bereichern. Zu einer Nora bringt jede phrasenhafte und oberflächliche Frau das nötige Zeug mit.“    

(Quelle: Reclam Lektüreschlüssel, Nora oder ein Puppenheim, Henrik Ibsen, Seite 65)

 

Mit diesen Worten urteilte der Erfolgsdramatiker Paul Lindau nach der deutschen Erstaufführung Ibsens Nora oder ein Puppenheim als „sittlich sehr bedenklich“ ab. Erst im Laufe der kommenden Jahre und Jahrzehnte erlangte Ibsen mit seinem als Paradebeispiel der Frauenemanzipation geltenden Dramas immensen Erfolg. Bis heute entbehrt es nicht an Aktualität.

Nora ist glücklich. Zumindest glaubt sie das. Ihr Ehemann Torvald Helmer wurde gerade zum Bankdirektor berufen; ein unbeschwertes und luxuriöses Leben steht bevor. Doch gerade als alles so wunderschön ist, wird  Nora plötzlich mit Ihrer Vergangenheit konfrontiert.  Am Anfang ihrer Ehe unterzeichnete sie einen Schuldschein mit dem Namen ihres Vaters, um sich Geld zu borgen, welches sie für eine überlebenswichtige Reise ihres Mannes benötigte.  Dass Frauen in der von Männern dominierten Gesellschaft geschäftsunfähig sind und somit keinerlei Geschäfte ohne Einwilligung des Gatten tätigen dürfen, schert sie nicht. Dass sie eine Unterschriftenfälschung begeht, will sie ebenso wenig wissen. Schließlich kann und darf nicht verboten sein, was man aus Liebe tut.

Um in ihrer Situation überhaupt an Geld zu kommen, braucht es zwangsläufig auch Einen, der sich nicht so genau an die Gesetze und die moralischen Vorgaben hält. Nora findet so jemanden in dem kleinen Bankangestellten Krogstad, der ihr das Geld gegen  jenen schicksalsträchtigen Schuldschein beschafft. Krogstadt fürchtet nun um seinen Posten in der Bank, da er sich selbst einmal vor Jahren der Unterschriftenfälschung schuldig gemacht hat. Damals hat er am eigenen Leib erfahren müssen, wie schnell man gesellschaftlich ins Abseits gerät. Nun kämpft er um Rehabilitation. Doch Torvald Helmer weiß von seinem Vergehen und so sieht Krogstad nur einen Ausweg:  Er erpresst Nora mit seinem Wissen um deren Betrug.  Sie soll dafür sorgen, dass er seine Stellung behält.

Als ihre Jugendfreundin Christine Linde in die Stadt kommt, um Arbeit zu finden, vertraut sich ihr Nora an. Doch Christine reagiert anders, als Nora es erwartet hatte.  In  ihrer Verzweiflung will sie das Gespräch mit ihrem väterlichen Freund Dr. Rank suchen. Als Freund des Hauses geht er im Hause der Helmers nicht nur regelmäßig ein und aus; er ist  sowohl für Nora als auch für Torvald Freund, Gesprächspartner, Ratgeber und Zuhörer. Doch auch er hat ein großes Geheimnis: Er ist heimlich in Nora verliebt – doch den Mut es ihr zu sagen, bringt er erst auf, als er sicher weiß, dass er an der von seinem Vater weitervererbten Rückenmarksschwindsucht sterben wird. Nach diesem Geständnis kann Nora sich ihm nicht mehr anvertrauen und verliert schließlich ihren einzigen Freund und Vertrauten. Der letzte Hoffnungsschimmer schwindet; sie ist auf sich allein gestellt. Aber Nora wäre nicht Nora wenn sie nicht bis zuletzt hoffen würde,  dass das „Wunderbare“ doch noch geschehen wird….

Ab Mai wird dieses Stück vom Theaterspielkreis Pfaffenhofen als Frühjahrsproduktion zu sehen sein.   Damit bringt der Verein in seiner mittlerweile 45-jährigen Geschichte erstmals einen der großen Literaturklassiker auf die Bühne. Unter der Regie von Sylvia Ott wird schon geraume Zeit intensiv geprobt. Mit Theobald Abenstein als Torvald Helmer, Marion Simon als Nora, Christoph Schmidt als Krogstad, Monika Fischer als Christine Linde und Günther Liebhardt als Dr. Rank werden altbekannte Mitglieder des Vereins auf der Bühne zu sehen sein.

Die Premiere findet am Samstag, den 04.05.2019 um 19.00 Uhr im Theatersaal im Haus der Begegnung statt. Eintrittskarten sind für 15,00 € ab ca. Anfang April unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder in der neuen Vorverkaufsstelle Buchhandlung Kilgus, Auenstraße 4, 85276 Pfaffenhofen (Tel: 08441-71936) erhältlich. Schüler und Studenten erhalten gegen Vorlage eines entsprechenden Ausweises an der Abendkasse eine Ermäßigung von 5,00 € rückerstattet.

Weitere Vorstellungen:  11./12.05.2019 und 18./19.05.2019 jeweils 19.00 Uhr.